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06.10.2021 | | Mitteilung der Pressestelle
Agrarunternehmen Kleeschulte saniert sich in Eigenverwaltung

Paderborn, 5. Oktober 2021. Die Kleeschulte GmbH & Co. KG aus Büren hat am 30. September 2021 beim Amtsgericht Paderborn einen Antrag auf ein Eigenverwaltungsverfahren gestellt. Das Unternehmen wird durch ein PLUTA-Team um den Sanierungsexperten und Generalhandlungsbevollmächtigten Rechtsanwalt Stefan Meyer beratend unterstützt. Das Gericht hat das vorläufige Eigenverwaltungsverfahren angeordnet und Rechtsanwalt Dr. Yorck T. Streitbörger zum vorläufigen Sachwalter bestellt. Der ebenso sanierungserfahrene vorläufige Sachwalter wird das Eigenverwaltungserfahren des traditionsreichen Unternehmens der Agrarbranche im Auftrag des Gerichts im Sinne der Gläubiger begleiten und gleichzeitig die Geschäftsführung im Rahmen der gesetzlichen Anforderungen überwachen.

Der Geschäftsbetrieb der Kleeschulte GmbH & Co. KG wird uneingeschränkt fortgeführt. Sämtliche 45 Mitarbeiter werden weiter beschäftigt.

Grund für die Antragstellung sind ausschließlich Schwierigkeiten im Geschäftsbereich „Handel/Streckengeschäfte“, der schon vor Insolvenzantragstellung endgültig und dauerhaft eingestellt worden ist. Aus diesem eingestellten Geschäftsbereich, der in keinem unmittelbaren Zusammenhang mit den stabilen Geschäftsbereichen „Ölmühlen mit Produktion und Vertrieb von Speiseölen sowie Verarbeitung von Bioprodukten“ als auch dem „Vertrieb und der Logistik von Holzpellets“ steht, ergeben sich erhebliche finanzielle Belastungen, die durch die explodierenden Preise im (Agrar-)Rohstoffmarkt bei gleichzeitiger Versorgungsknappheit nunmehr im Rahmen eines Eigenverwaltungsverfahren bestmöglich für die betroffenen Gläubiger gelöst werden sollen. Die beiden seit Jahren stabilen Geschäftsbereiche „Betrieb von Ölmühlen/Vertrieb von Speiseölen an den Lebensmittelhandel“ und „Vertrieb und Logistik von Holzpellets“ sind nicht nur für die Dauer des Restrukturierungsverfahrens durchfinanziert, sondern auch dauerhaft stabil und nach den Unternehmensplanungen auch rentabel.

In den kommenden Wochen wird das Traditionsunternehmen einen konkreten Vorschlag zur Restrukturierung erarbeiten und darüber die Gläubiger unter der Aufsicht des Gerichts und des Sachwalters Dr. Streitbörger abstimmen lassen. Ziel ist es, für den Betrieb eine dauerhafte und tragfähige Lösung zu erzielen, die auch erreichbar ist, da die zwei fortgesetzten Geschäftsbereiche die notwendige Grundlage bieten. Geschäftsführer Bernd Kleeschulte erklärt: „Wir nutzen die Chance, uns im Rahmen dieses gesetzlich vorgesehenen Verfahrens mit erfahrenen Sanierungsexperten zukunftsfähig aufzustellen. Für unsere Kunden ändert sich hierdurch nichts. Alle Aufträge werden in den Geschäftsbereichen Ölmühlen, Vertrieb von Speiseölen und der Logistik und dem Vertrieb von Holzpellets wie geplant und vertraglich vereinbart ausgeführt.“

Die 45 Mitarbeiter wurden gestern im Rahmen einer Mitarbeiterversammlung über den aktuellen Stand informiert. Deren Gehälter sind über das Insolvenzgeld für drei Monate gesichert. Der Generalbevollmächtigte Stefan Meyer ergänzt: „Die Mitarbeiter ziehen mit uns an einem Strang und unterstützen die eingeleiteten Maßnahmen hochmotiviert und sehr engagiert. Wir führen bereits Gespräche mit Kunden und Lieferanten, die ebenfalls bislang positiv verlaufen sind. Das sind guten Voraussetzungen und eine solide Basis für die kommenden Wochen.“ Meyer wird im Team von den PLUTA Rechtsanwälten, u.a. Christoph Chrobok und Philip Konen von der Restrukturierungsgesellschaft PLUTA Management GmbH sowie dem Dipl. Kfm. Christian Plückebaum unterstützt.

Der vorläufige Sachwalter Streitbörger sagt: „Die Agrarbranche steht derzeit durch die Preisentwicklung von Rohstoffen auf den Weltmärkten vor großen Herausforderungen. Die Eigenverwaltung bietet dem traditionsreichen Betrieb die Möglichkeit, sich neu aufzustellen um zukünftig schnell und angemessen auf die kommenden Herausforderungen reagieren zu können. Die Sanierung werde ich zielgerichtet im besten Interesse der Gläubiger begleiten.“

Familienbetrieb mit fast 90-jähriger Tradition

Das 1934 gegründete Familienunternehmen ist im Agrarhandel tätig. Heute wird das Unternehmen in der dritten Generation geführt. In Büren und in den Außenlagern werden Getreide und Ölsaaten aus Lieferungen der Landwirtschaft und des Erfassungshandels umgeschlagen und verarbeitet. Zudem stellt das Unternehmen in seinen eigenen Ölmühlen in Bü- ren und Ottenstein erfolgreich das hochwertige Speiseöl u. a. unter der Eigenmarke MORITZ her. Das MORITZ Rapskernöl ist im November 2020 als Testsieger von ÖLKOTEST mit der Note „sehr gut“ bewertet worden. Darüber hinaus ist das Unternehmen im Handel mit Holzpellets unter der geschützten Marke „PROFIPELLETS“ am Markt tätig. Im letzten Geschäftsjahr 2020/2021 wurde mit 45 Mitarbeitern ein Gesamtumsatz von rd. 96 Mio. € gene- riert. Der Betrieb legt insgesamt großen Wert auf Qualität, eine hohe Zuverlässigkeit und den persönlichen Kundenkontakt. Die Kleeschulte Erden GmbH & Co. KG in Rüthen ist von dem Sanierungsverfahren weder unmittelbar noch mittelbar betroffen; es bestehen untereinander keinerlei Geschäftsverbindungen.

Über das Verfahren

Die Eigenverwaltung bietet dem Unternehmen Planungssicherheit und berücksichtigt gleichzeitig die Interessen der Gläubiger. Das Unternehmen darf, unterstützt durch erfahrene Sanierungsexperten und unter Aufsicht eines Sachwalters, die Gesellschaft selbst durch das Verfahren führen. Bei einem Eigenverwaltungsverfahren bleiben die Geschäftsführung und die Mitarbeiter des Unternehmens ergänzt durch einen Generalbevollmächtigten den Kunden und Lieferanten erhalten. Ein Eigenverwaltungsverfahren ist ausgerichtet auf Fortführung, Unternehmenserhalt, Restrukturierung und Sanierung.

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